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Tauchen in tunesischen Gewässern
Von Finsterwalder Rudolf   
Sonntag, 19. November 2006

Seit knapp einem Jahr beruflich in Tunesien, habe ich einige Wochenenden genutzt, um im Mittelmeer zu tauchen. Meine Erfahrungen und Erlebnisse sind in diesem Bericht für euch zusammengefasst.

Tauchbasis Hergla

Zuerst musste ich einmal Tauchmöglichkeiten ausfindig machen und Kontakte zu den Basen herstellen.

Dies erwies sich selbst mit Hilfe des Internets als nicht ganz einfach. So manche Seite war veraltet und angegebene Telefonnummern existierten nicht mehr. Als Taucher gibt man so schnell nicht auf und inzwischen habe ich von vier Basen aus getaucht, von zweien davon mehrfach. Einen Tauchverein, so wie wir ihn als Vereinstaucher kennen und schätzen, konnte ich noch nicht ausfindig machen.

Der Tauchbetrieb wird von Basen aus organisiert und ist am Tourismusbetrieb orientiert.

Tauchbasis in Hergla (1)  
Nun zu den Tauchzielen, ich beginne mit Hergla, einem noch recht ursprünglichen kleinen Dorf am Meer, das ungefähr 120km südlich von Tunis liegt. Es gibt einen Fischereihafen in dem auch die Tauchbasis (1) zu finden ist. Das Wasser vor Hergla ist klar und ausserhalb des Hafens sehr sauber. Die ausgedehnten Seegraswiesen sind noch intakt und von vielen kleinen Fischen bevölkert; grössere Fische wie Zackenbarsche und Rochen lassen sich nur selten blicken. Im Herbst gab es einige Quallen, wie die Spiegelei-Qualle (2). Qualle Goldstiemenschwarm
Es war interessant zu beobachten, dass einige Jungfische Schutz bei diesen Tieren suchen und mit dieser Art von Quallen eine Symbiose eingehen. Typische und häufig anzutreffende Fische der Seegraswiesen sind die Goldstiemen (3). Spiegelei-Qualle (2) Goldstiemen (3)
Von Hergla aus ist es möglich, das Wrack eines im 2. Weltkrieg versenkten italienischen Frachters anzusteuern und zu betauchen. Leider herrschte an dem Tag meiner Ausfahrt vergleichsweise starker Seegang. Das in mehrere Teile zerborstene Wrack liegt in etwa 20m Tiefe auf Schlammgrund, die Sicht war deutlich eingeschränkt. Das gut erkennbare Steuerrad des Schiffes steckt zur Hälfte im Schlick (4). Der Frachter transportierte unter anderem einen schweren Panzer, der den nordafrikanischen Kriegsschauplatz nicht erreichte. Steuerrad Panzerturm
Sein Turm ist im Schlick versunken, Wanne und Ketten sind intakt geblieben (5). Steuerrad (4)  Rest eines Panzers (5)
In den wenigen Hohlräumen des Wracks befinden sich Kisten mit Munition (6). Diese sieht selbst nach über 60 Jahren auf dem Meeresgrund noch gefährlich neu aus. Beim Beginn des Aufstiegs beeindruckte mich eine riesige Qualle (7); allein der Schirm des Tieres hatte einen geschätzten Durchmesser von mehr als 50cm. Munitionskisten Qualle
  Versunkene Munition (6) Qualle (7)
Nun weiter zu einem anderen Tauchgebiet - den Cani-Inseln. Bei diesen Inseln handelt es sich um einige kleinere Felsen im Meer (8); auf einer der Inseln steht ein Leuchtturm. Sie können von Bizerte, einer etwa 50km nördlich von Tunis gelegenen Stadt aus angefahren werden. Um die abgelegenen Inseln zu erreichen, benötigte das Tauchboot deutlich mehr als zwei Stunden. Cani-Inseln  
  Cani-Inseln (8)  
Die Unterwasserwelt um die Cani-Inseln ist wiederum durch sehr klares Wasser gekennzeichnet, man ist schliesslich weit genug vom Festland entfernt. Es gibt dort Tunnel und kleinere Höhlen die man durchtauchen kann. Dabei bin ich unter anderem einer Mittelmeer-Muräne (9), Zitterrochen und Skorpionsfischen begegnet. Des weiteren sind die Tunnelwände mit farbigen Schwämmen und Korallen bewachsen. Muräne  
Ein Tauchgebiet der Extraklasse, leider nur mit grösserem zeitlichen Aufwand zu erreichen. Mittelmeer-Muräne (9)   
Ein weiteres Tauchgebiet befindet sich vor der Touristenhochburg Hammamet. Dieser Ort liegt circa 60km südlich von Tunis und ist für mich in einer Stunde zu erreichen. Es gibt dort zwei Tauchbasen; ich habe meine Ausfahrten - von einer Ausnahme abgesehen - mit Odysea Diving unternommen. Sepia Zweibindenbrasse
  Sepia (10) Zweibindenbrasse (11)
Betaucht werden Seegraswiesen, Sandgründe und Felsriffe in verschiedenen Tiefen, ein kleineres Wrack in flachem Wasser sowie ein grosses Wrack in etwas tieferem Wasser. In wenigen Metern Tiefe bin ich diesem neugierigen Sepia begegnet (10). Die Zweibindenbrasse (11) kommt häufig vor; teilweise begegnet man Schwärmen von 100 und mehr dieser lebhaften Fische. Fischschwarm  
Die eleganten, circa 50cm langen im Schwarm schwimmenden Fische (12) konnten beim Aufstieg aus tieferem Wasser photographiert werden. Fischschwarm (12)  

Und nun zum grossen Wrack.
Dabei handelt es sich um einen weiteren italienischen Frachter, der im 2. Weltkrieg versenkt wurde.

Er liegt in knapp 20m Tiefe in aufrechter Lage auf Sandgrund. Die aus Stahl bestehenden Teile des Schiffes sind vergleichsweise gut erhalten, Zwischendecks und Wände aus Holz sind vergangen. Diese Faktoren sorgen für eine gute Betauchbarkeit des Wracks und speziell der Laderäume (13).

Mein Lieblingsbild (14) ist mir am Heck des Wracks gelungen.

Wrack, Laderäume Wrack, Taucherpärchen
Es zeigt einen kleinen Teil des Hecks des untergegangenen Schiffs, einen Schwarm der dort reichlich vorhandenen Fische und im Hintergrund in leicht trübem Wasser ein tauchendes Pärchen. Laderäume des ital. Frachters (13) Taucherpärchen am Heck des Wracks (14)

Dieses Bild veranschaulicht, dass wir nur staunende Gäste in dieser stillen Welt sind, denen nur wenige Minuten in dieser Tiefe verbleiben.

Mein Fazit: Es ist nicht immer ganz einfach, einen interessanten Tauchgang zu arrangieren. Die bisher gesehenen Tauchgründe können aber durchaus mit anderen Bereichen des Mittelmeeres mithalten. Das Personal der genannten Basen ist sehr bemüht und immer freundlich.
Bei den Tauchbooten handelt es sich durchwegs um umgerüstete Fischereiboote. Sie sind bewährt in diesen Gewässern, leider aber auch etwas langsam.

Fischemosaik

Tunesien ist reich an Kulturgütern. Ein Besuch sollte deshalb immer mit der Besichtigung solcher Sehenswürdigkeiten verbunden werden.

Deshalb zum Abschluss ein Mosaik (15) aus einer römischen Therme - wie Ihr sehen könnt, liebten schon die Römer das Wasser und die Fische ...

Mosaik (15)  
 
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